Balthasar Neumann Preis 2016
Vor knapp 300 Jahren war Johann Balthasar Neumann (1687–1753) Baumeister in Würzburg, der als Ingenieurarchitekt, offiziell Oberingenieur und fürstbischöflicher Baudirektor, als der große Vollender des Barocks gilt. Sein Architektur- und Ingenieurschaffen – nicht nur in Würzburg – ist geprägt von beispielhafter Architektur mit herausragenden konstruktiven Lösungen. Immer ist in seinen Arbeiten das Zusammenspiel von höchstem architektonischen wie ingenieurtechnischem Anspruch nachvollziehbar. Das Gleiche gilt auch für die wunderbaren Raumkompositionen. Die Würzburger Residenz, die in italienisch-französischem Barockstil (1720–1744) nach dem Muster des Versailler Schlosses gebaut wurde, gilt in diesem Sinne als eines seiner Meisterwerke.
Dieser beispielhafte Architekt und Ingenieur ist der Namensgeber des „Balthasar Neumann Preises“, der in diesem Jahr insgesamt zum 10. Mal verliehen wird. Insgesamt mussten bei den eingereichten Projekten die Parameter des nachhaltigen Bauens erfüllt sein. Das heißt, dass neben den soziokulturellen Anforderungen auch die technischen Aspekte wie zum Beispiel Energie- und Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus hinweg dargestellt wie auch die Planung im Sinne von integralen Prozessen und die damit erreichte Qualität nachvollziehbar und ablesbar sein mussten. Die Zusammenarbeit bezieht sich sowohl auf die partnerschaftliche Kooperationen zwischen Architekten und Tragwerksplanern wie auch den planenden Ingenieuren der verschiedenen TGA-Fachdisziplinen.
Dem hohen Anspruch des Balthasar Neumann Preises 2016 haben sich in diesem Jahr 73 Wettbewerbsbeiträge aus fünf Ländern gestellt. Letztendlich war es am 23. Februar 2016 ein einstimmiges Urteil der achtköpfigen Jury: Der Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig wird mit dem von der DBZ Deutsche BauZeitschrift und dem BDB Bund Deutscher Baumeister ausgelobten und mit 10 000 € dotierten Balthasar Neumann Preis 2016 ausgezeichnet.
Vier weitere Projekte erhalten eine Auszeichnung: Die Deutsche Schule, Madrid, der ZOB, Pforzheim, das Hilti Innovation Center, Schaan/LIE und das Dreischeibenhaus, Düsseldorf. Die Preisverleihung findet am 21. April 2016 statt, im Rahmen eines Festakts in der UnionHalle in Frankfurt a. M. Erstmals wird neben den Architekten, den Tragwerksplanern und den TGA-Ingenieuren auch der Bauherr mit dem Balthasar Neumann Preis 2016 ausgezeichnet.
Der diesjährige Preisträger, der Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig, steht beispielhaft dafür, wie durch die Integration der Themen Funktion, Ästhetik und Städtebau eine ressourcensparende Architektur entstehen kann. Gleichzeitig steht die Propsteikirche St. Trinitatis auch für ein wichtiges und bedeutendes Zeichen baukultureller Haltung. Insgesamt erfüllt der diesjährige Preisträger nicht nur die Bedingungen zum Balthasar Neumann Preis, sondern auch die von Vitruv: firmitas, utilitas und venustas – Stabilität, Nützlichkeit und Schönheit und mit concinnitas auch noch die Angemessenheit. BF