19. Architekturbiennale Venedig 2025

Es wird heißer! Ein Call to Action

Der deutsche Beitrag zur 19. Internationale Architekturausstellung – La Biennale di Venezia möchte das Hitzethema in Städten anschaulich, erlebbar machen

Als am Valentinstag, am 14. Februar 2025 eingeladen war zur Pressekonferenz zum Deutschen Beitrag zur 19. Architekturbiennale in Venedig, da waren die Straßen in Berlin weiß und die Temperaturen leicht unter Null. Dass es draußen kalt und winterlich war passte dann vielleicht nicht so gut zum Thema der Konferenz, die mit Hitze und Hitzefolgen Bilder zu evozieren versuchte, die wir ab Mai im deutschen Pavillon in den schattigen Gardini Venedigs in gebautes Interior übersetzt sehen. Wahrscheinlich, denn wie es gute Sitte ist, wurde auch auf dieser Konferenz nichts über das gesagt, was wir zu sehen, zu fühlen bekommen werden in der Lagunenstadt; die im Mai durchaus schon Hitze zu bieten hat.

Wenn auch nichts Konkretes über die Umsetzung der Ausstellung im Pavillon zu erfahren war, so sprachen Nicola Borgmann, Architekturgalerie München, Elisabeth Endres, TU Braunschweig, Gabriele G. Kiefer, TU Braunschweig, und Daniele Santucci, RWTH Aachen, sehr engagiert und mit drängendem Ton über die Erfordernisse schnellen Handelns angesichts der dramatischen Auswirkungen der Erderwärmung auf das städtische Leben.

Kuratorinnenteam vor dem deutschen Pavillon (v. l.): Nicola Borgmann, Elisabeth Endres, Daniele Santucci und Gabriele G. Kiefer
FotoMontage: Benedikt Kraft

Kuratorinnenteam vor dem deutschen Pavillon (v. l.): Nicola Borgmann, Elisabeth Endres, Daniele Santucci und Gabriele G. Kiefer
FotoMontage: Benedikt Kraft


Starkregen, Überschwemmungen, Hitzewellen – während sich der Klimawandel weltweit an den steigenden Temperaturen, Extremwetter und dem Anstieg des Meeresspiegels zeigt, sind seine Auswirkungen auf der lokalen Ebene der Stadt unmittelbar spürbar. In absehbarer Zeit werden Temperaturen erreicht, die für Menschen, Tiere, Pflanzen und Infrastruktur kaum noch erträglich sind. Dies gefährdet nicht nur das soziale Leben und die Produktivität der Stadt, sondern auch die Gesundheit und das Überleben ihrer Bewohnerinnen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, so die Kuratorinnen, und sprachen auch lieber von einem Call to action als einer kuratorisch didaktisch pädagogischen Herangehensweise.

Abendliche Hitzeglocke über ... beispielsweise Venedig
Foto: Benedikt Kraft

Abendliche Hitzeglocke über ... beispielsweise Venedig
Foto: Benedikt Kraft

„STRESSTEST“ laute nun der Titel des Deutschen Beitrags, der die konkrete Bedrohung der Menschen insbesondere in den Städten zum Ausgangspunkt der Ausstellungskonezption macht. Im Pavillon – und in der Nachbarschaft? – soll die zukünftige Realität des Stadtklimas „physisch und psychisch erfahrbar“ gemacht werden. „Zahlenevidenz“, so Daniele Santucci, soll das Gefühlte zur Realität kurzschließen. Dass man über alles Erleben hinaus auch zeigen wird, wie Architektur und Landschaftsarchitektur klimagerechte Städte nicht nur schaffen können, sondern schaffen müssen, blieb ein bisschen in zweiter Reihe.

Es geht also um das Erfahren einer Hitzenacht einerseits, andererseits um das Erleben von Entspannung in (natürlich) klimatisierten Innen-/Außenräumen. Ganz offenbar will das Team aus Wissenschaft und Gestaltung, Wirtschaft und Lehre im/am deutschen Pavillon einen Ort schaffen, der die Dringlichkeit des Handelnmüssens noch einmal verstärkt. Denn das scheint klar: So lange wir immer noch denken, wir hätten alles im Griff, werden wir nichts tun, die kommende Welle schon vor ihrem maximalen Aufbau zu brechen.

Ein Kuratorenteam ist nichts ohne PR-Expertinnen, Gestalter, Planerinnen und Rückenfreihalter ... dazu kommen weitere in Venedig und sonstwo auf der Welt
Foto: Benedikt Kraft

Ein Kuratorenteam ist nichts ohne PR-Expertinnen, Gestalter, Planerinnen und Rückenfreihalter ... dazu kommen weitere in Venedig und sonstwo auf der Welt
Foto: Benedikt Kraft

Dass es dramatisch werden könnte, dazu kam noch ein Statement des assoziierten Experten Burkert Pieske, Kardiologe der Universität Rostock. Sein Hinweis, „gestorben wird nachts“ und sein Zahlenüberblick über steigende und für die Zukunft beängstigend hohe Zahlen von Hitzetoten gab der Botschaft des Kuratorenteams eine zusätzliche Dringlichkeit. Das von der Hitze in Städten insbesondere Ältere, Schwangere, Kinder und sozial benachteiligte Menschen sowie solche ohne Zugang zu Bildung und Information betroffen sind, öffnete dann doch den Fokus des Stresstest auf das Gesellschaftliche, gab ihm die Relevanz, die in den letzten Jahren zumindest immer schon die deutschen Beiträge in Venedig beanspruchten.

Da Schatten, dort Hitze, "Radix", Skulptur von Francisco und Manuel Aires Mateus am Hafenbecken Arsenale 2012
Foto: Benedikt Kraft

Da Schatten, dort Hitze, "Radix", Skulptur von Francisco und Manuel Aires Mateus am Hafenbecken Arsenale 2012
Foto: Benedikt Kraft

Was auf der Pressekonferenz nicht im Fokus stand, weil offenbar schon als selbstverständlich angenommen, ist der Aspekt der Nachhaltigkeit der Ausstellung. So soll der Pavillon mit Solarenergie betrieben werden und alle in der Ausstellung verwendete Materialien gehen in eine definierte Nachnutzung. Begleitend zur Ausstellung erscheint der Katalog STRESSTEST im Distanz Verlag.

Die 19. Internationale Architekturausstellung– La Biennale di Venezia, mit dem Titel „Intelligens. Natural. Artificial. Collective.“ unter der kuratorischen Leitung des italienischen Architekten Carlo Ratti findet vom 10. Mai bis 23. November 2025 statt. Der Deutsche Beitrag wird getragen von der Architekturgalerie München e.V. im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Die Seite zum deutschen Beitrag "Stresstest".

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