Autorisierte Länge
Langfassung online! Biografien zu Architekten gibt es ein paar wenige, die meisten allerdings werden postum veröffentlich. Aktuelle Ausnahme ist die nun in zwei Bänden vorliegende Biografie über Leben und Werk Meinhard von Gerkans, einem der beiden Gründungspartner des Hamburger Büros gmp. Warum jetzt die Biografie? Auf der Hand liegen wohl zwei Gründe: Einmal steht der hier Beschriebene in einem Lebensabschnitt, aus dem heraus sich ein Rückblick anbietet. Dann publiziert gmp unglaublich gerne und lieber mehr als weniger. Und dann gibt es noch einen Grund, den der Autor, der im Ganzen gesehen durch das „autorisiert“ immer ein wenig gebückt erscheint, in seinem Vorwort in einer rhetorisch geschraubten Frage nennt: „Doch wie wird man zu Deutschlands erfolgreichstem Architekten?“ Das sollen die folgenden 400 Seiten Geschichten aus einem Architektenleben beantworten. Tun sie aber nicht. Gründe dafür: jede Menge. Zum Beispiel die allzu der Dienstleistung verpflichtete Haltung des Biografierenden. Auch, weil zu unübersichtlich, da in Themen und weniger in Lebensabschnitte gegliedert. Und: der Verzicht auf ein Personenregister. Was völlig unverständlich erscheint. Von Gerkans Bedeutung für die deutsche Architekturgeschichte offenbart sich nicht in der Menge qualitativ hoch stehender Bauten sondern vor allem in seiner Wirkung auf den gebauten Diskurs (Schüler, Schüler von Schülern, politische Einflussnahme etc.).
Ergänzt wird die Biografie, deren kompilatorischer Charakter die Strecken zwischen den Anekdoten und wenigen Hintergrundgeschichten sehr lang macht, durch einen zweiten Band. Eine „Biografie in Bauten“, eine chronologisch gegliederte Sammlung von zumeist sehr bekannten Projekten hier und in China. Perfekte Fotografie, knappe Erläuterungstexte. Fast ist man jetzt gespannt auf die Biografie Volkwin Margs. Die ist hoffentlich nicht „autorisiert“, vielleicht gar autobiografisch? Be. K.
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