Holz im Denkmal
Historische Holzbauten verfügen aus kulturhistorischen Aspekten über einen unschätzbaren Wert – damit diese der Nachwelt erhalten bleiben, bedarf es umfangreichen Wissens über die Behandlungsmethoden von Holzwerkstoffen.
Bauen im Bestand verlangt nach viel Fingerspitzengefühl – das haben auch die vorigen Praxisbeispiele eindrucksvoll bewiesen. Die Art der Baumaßnahme definiert sich dabei im hohen Maß über die materielle Beschaffenheit des jeweiligen Gebäudes. Nicht immer ist es möglich, den Baubestand zu erhalten – das gilt insbesondere für sanierungsbedürftige Holzbauten. Durch witterungsbedingte Einflüsse wie Temperaturschwankungen oder hohe Luchtfeuchte kann die Festigkeit jenes organischen Materials bedeutend gemindert werden. In diesem Falle wird der regelmäßigen Wartung von tragenden Bauteilen eine elementare Rolle zuteil. Selbst bei optimaler Pflege lässt sich ein Schaden nicht immer vermeiden. Grundsätzlich gilt es dann zwischen einem Schimmel- oder Schädlingsbefall und einer altersbedingten Abnutzungserscheinung zu unterscheiden. Letzteres stellt nicht zwingend einen Schadensfall dar. Wird die Statik hierdurch entsprechend beeinträchtigt, ist eine Sanierung zwingend notwendig. Im Falle von denkmalgeschützten Objekten müssen selbst geringfügige Restaurationen auf Basis denkmalpflegerischer Kriterien durchgeführt werden. Die Entscheidung für oder wider einer Bauhandlung ist keine leichte und sollte daher individuell getroffen werden. In jedem Fall gilt es, die historische Bausubstanz so weit wie möglich zu erhalten, weshalb ein Austausch von Werkstoffen stets die letzte Option darstellen sollte.
Anamnese des Bauzustandes
Hierfür bedarf es einer umfassenden Bauaufnahme, die in der Denkmalpflege immer anlassbezogen ist. Auf der Grundlage entsprechender Parameter gilt es, den Gebäudebestand wertneutral zu bewerten. Dabei werden etwa auch die konstruktiven Eigenschaften sowie die Oberflächenbeschaffenheiten der Werkstoffe begutachtet. Ferner gilt es, die Bausubstanz unter Zuhilfenahme von Messwerkzeugen, wie etwa Feuchtigkeitsmessgeräten, zu untersuchen. In manchen Fällen empfiehlt sich auch die Erstellung von archäologischen oder naturwissenschaftlichen Befunden, auf deren Grundlage etwa weitere Aussagen zum Alter und zu materiellen Beschaffenheiten getroffen werden können. Des Weiteren kann der Werkstoff durch Anschlagen mit Hammerwerkzeugen auf eventuelle Hohlstellen überprüft werden. Bei historischen Bestandsbauten gehören die Schimmelbildung und der Schädlingsbefall zu den häufigsten Schadensursachen. Je nach Schimmelart ist entweder eine Ausbreitung entlang der Holzfaser oder ein flächiger, poröser Zerfall des Materials möglich – in manchen Fällen kann sich ein Befall auch auf anorganische Werkstoffe ausdehnen. Noch komplexer erweist sich eine Sanierung bei einer schädlingsbedingten Beeinträchtigung, wie etwa durch den Holzwurm. Anders als bei einer Beeinträchtigung durch Schimmel entwickelt sich ein solcher Befall oft von innen heraus und kann daher unter Umständen über viele Jahre hinweg unentdeckt bleiben. Eine besondere Herausforderung stellt überdies eine Sanierung infolge eines Brandschadens dar – für eine Ertüchtigung braucht es dann den Expertenrat eines erfahrenen Statikers.
Möglichkeiten einer Sanierung
Nach der erfolgten Anamnese gilt es, die relevanten Sanierungsmaßnahmen auszuloten: Wurden eine oberflächliche Fäulnis oder brandbedingte Rußspuren festgestellt, können diese durch Schleifen beseitigt werden. Mit einer solchen Schadensbeseitigung ist die Arbeit meist jedoch noch nicht getan – im Sinne der Vorsorge empfiehlt es sich überdies, das Holz anschließend durch Polyurethanbeschichtungen, Antischimmel-Spezialfarbe oder Harze zu imprägnieren. Bei einem punktuellen Schimmelbefall ist es außerdem möglich, die jeweilige Stelle mit Epoxidharzen zu „maskieren“, wobei das Material luftdicht versiegelt wird. Ist der Schimmel zu tief in die Fasern vorgedrungen oder liegt ein schwerwiegender Holzwurmbefall vor, können solche Maßnahmen die Stabilität der Bauteile langfristig nicht sichern. Je nach Budget sollte dann ein Austausch von schadhaften Bauteilen durchgeführt werden. In diesem Fall ist dann jedoch nicht mehr von einer Bestandssanierung, sondern von einer denkmalgerechten Rekonstruktion die Rede.
Zeitzeugnisse einer Baukunst
Der Blick in die Praxis hat gezeigt, dass in der Denkmalpflege nicht nur Kompetenz und Erfahrung im Umgang mit Holz, sondern ebenfalls eine umfangreiche Expertise zu den entsprechenden Behandlungsmethoden jenes heterogenen Werkstoffs gefragt ist. Aufgrund der besonderen Relevanz von historischen Holzbauten wird es in Zukunft immer wichtiger werden, dass etwaige Gebäude nicht nur aus ästhetischen, sondern auch aus kulturhistorischen Gesichtspunkten bewertet und entsprechend gepflegt werden. Angesichts aktueller Nachhaltigkeitsdebatten und der neuerlichen Renaissance des Holzes bleibt zu hoffen, dass auch im Umgang mit jenen Bestandsbauten die Möglichkeiten einer adäquaten Sanierung neu ausgelotet werden.
Yoko Rödel/DBZ