Jugendherberge, München

Die Jugendherberge an der Münchener Wendl-Dietrich-Straße wurde Ende der 1920er-Jahre erbaut und ist als älteste Stadtjugendherberge Deutschlands inzwischen eine echte Institution. Aus einem geladenen, internationalen Wettbewerb für die Erweiterung des Stammhauses um einen Neubau am ums Eck gelegenen Winthirplatz gingen im Jahr 2014 Graft Architekten aus Berlin als Gewinner hervor – vor haascookzemmrich aus Stuttgart und Snøhetta aus Oslo.

Der Entwurf von Graft beinhaltet neben der denkmalgerechten Sanierung des Altbaus eben jene Erweiterung am Winthirplatz und eine damit nötige Verbindung über den Innenbereich des Blocks. Der konsequenterweise als Blockrand entworfene Neubau fügt sich städtebaulich formal in die dichte Münchener Stadtstruktur ein, sorgt aber mit einem doppelthohen, amorph geformten, gläsernen Foyer für eine markante Adressbildung zum Platz, von dem aus fortan die Jugendherberge hauptsächlich erschlossen wird. Diese expressive, organische Formsprache, die sich als Trockenbaukonstruktion über Decke und Wände zieht, dient im Folgenden auch als formales Bindeglied zum Hof und damit zum Altbau. Die hier nötige 3D-Unterkonstruktion sowie die außergewöhnlichen Gipskarton-Formteile ließ die Firma Jaeger Ausbau bei Vogl Deckensysteme vorfertigen. Die Spezia­listen für maßgenaue Sonderformteile entwickelten zunächst ein 3D-Oberflächenmodell und leiteten daraus im nächsten Schritt die technischen Daten für die Werk- und Montagepläne ab. Auf der Baustelle wurden die nummerierten Formteile wie ein großes Puzzle schlussendlich zusammengesetzt, montiert und verspachtelt.

Graft nennen diesen zentralen Bereich eine „architektonische Traumlandschaft“. So wird das Foyer als zentrales Motiv zum großzügigen Verteiler zwischen dem Winthirplatz, der Rezeption, dem Innenhof, den Anbauten des Alt- und Neubaus sowie dem Stammhaus an der Wendl-Dietrich-Straße. Die eigenständige Gestaltungssprache findet sich auch in den Gasträumen, in denen die Ausbauten ebenfalls abgerundet und organisch geformt sind. Neben den klassischen Herbergsräumen, von denen es nach Fertigstellung des Gesamtkomplexes insgesamt 96 gibt, wovon 22 barrierefrei sind, finden sich zudem ein Tonstudio, einen Ballettsaal sowie Probenräume für zum Beispiel Chöre.

Projektdaten

Architekt: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin,

www.graftlab.com

Fertigstellung: 2023

Hersteller: Saint-Gobain Rigips GmbH, www.rigips.de

Produkt: Rigips Rigitone Activ’Air 12/25 Q

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