Schon wieder Gold
Der Brasilianer und mehrfach ausgezeichnete Architekt Mendes da Rocha erhält die RIBA Gold Medal 22.01.2018Vorab eine Bemerkung, die möglicherweise eine ganze Menge erklärt von dem, was folgt: Der Mann mit seinem Team hat keine Website! Paulo Mendes da Rocha, vielfach international ausgezeichneter Architekt ist nur postalisch erreichbar. Das ermöglicht offenbar etwas, von dem auch ein Oscar Niemeyer und, ja auch der, ein Peter Zumthor profitiert.
Immerhin, man kann den Architekten erreichen in São Paulo und ihm mitteilen, dass sein Werk - und tatsächlich er selbst - wieder einmal eine hohe Auszeichnung entgegen nehmen kann. Und zwar die „Royal Gold Medal“ des The Royal Institute of British Architects (RIBA), die höchste Auszeichnungen des Vereinigten Königreichs für Architekten. Und so darf man wohl, wie hier geschehen, titeln: Schon wieder Gold. Verliehen wird ihm die Goldmedaille im Frühjahr 2017. Im Oktober dieses Jahres wird dem jetzt 88-Jährigen der Praemium Imperiale 2016 in der Kategorie Architektur überreicht, im Mai 2016 erhielt er den Goldenen Löwen auf der Architekturbiennale in Venedig für sein Lebenswerk. Nach dem Mies van der Rohe Preis für Lateinamerikanische Architektur 2000 erhielt er 2006 den Pritzker Preis, die wohl höchste internationale Auszeichnung für einen Architekten.
Geboren am 25. Oktober 1928 in Vitória, der Hauptstadt der Provinz Espírito Santo, studierte er in São Paulo Architektur, war Assistent bei dem schon legendären Vilanova Artigas und betreibt dort seit 1954 und bis heute sein Architekturbüro. Der einflussreiche Vertreter einer nationalen Avantgarde-Bewegung hat die meisten seiner Bauten in São Paulo errichtet, darunter den heute legendären Club Athletico Paulistano (1958), die Parteizentrale für die Kommunistische Partei, sein eigenes Wohnhaus, das Estádio Serra Dourada (1973) oder das Museu Brasileiro da Escultura (1988). Die meisten seiner Bauten würde man heute mit dem europäischen Brutalismus in Verbindung bringen. Sehr spät erhielt da Rocha auch in Europa die Anerkennung, die seinen Arbeiten in der Heimat längst entgegen gebracht wurde.
Mendes da Rochas Arbeiten sind von zeitloser Qualität, sowohl was ihren gestalterischen aber auch den physikalischen Aspekt angeht. Da Rocha wird wegen seiner konsequenten Integrität und der konstruktiven Erfindungsgabe geschätzt. Der „nonkonformistisches Visionär und zugleich passionierte Realist“ (Alejandro Aravena zur Verleihung des Goldenen Löwen) gehe in seinen Bauten weit „über die Architektur hinaus auf politische, soziale, geografische, historische und technische Bezugsgrößen. Seine Vorbildfunktion für viele Generationen von Architekten in Brasilien, Lateinamerika und sonst in der Welt äußere sich darin, dass er es immer geschafft habe, sich in bestehende Teams als Mitglied einzubringen wie ebenso, dass er in der Lage ist, Menschen für seine Sachen zu begeistern für eine fortschrittlichere Welt des Bauens.“