Forschungsarbeit
Das Wort „Baracke“ gibt es in vielfacher Schreibweise in Europa, ungewöhnlich für die Bezeichnung eines Haustypen. Weniger ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass die Baracke von Anbeginn an die Schutzhütte der Soldaten meint. Und Soldaten, die transportablen Witterungsschutz brauchen, gibt es überall auf der Welt.
Baracke hat heute aber eher einen negativen Beiklang, was, schaut man in das Land, das dem Bautypen seinen Namen gab, erklärbar ist: So ist das spanische „barra“ heute mit „Dreck“ zu übersetzen, vor gut 300 Jahren war damit allerdings Erde, genauer: Lehmboden gemeint. Ein Haus also aus Lehm und Holzstangen, was sich etymologisch in „barra“ ebenfalls wiederfinden lässt. Transportabel, schnell auf- und abzubauen, bald so groß, dass hier ganze Mannschaften mit Material unterzubringen waren.
Dem Autor, vor Jahren mit dem Fund einer „Reichsarbeitsdienst-Mannschaftsbaracke“ in Auschwitz konfrontiert, entfachte dieser Fund – der wenige Jahre später schon abgerissen und damit verloren war – der Wunsch nach einer Sys-tematik der Geschichte dieses Bautypen, der Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts als vorfabrizierter Massentyp seinen Verbreitungshöhepunkt hatte.
Die mit zahllosen Fundstücken (Zeichnungen, Plänen, Lithografien, Fotografien etc.) bebilderte Chronologie startet 1572, dem Jahr der Belagerung Haarlems im Unabhängigkeitskrieg der Niederlande gegen Spanien, und endet 1914, dem Jahr, das sich als Wendepunkt in ihrer Wahrnehmung des Barackentypus erweist, weg von der pragmatischen (Not)Unterkunft und hin zur Zwangsbehausung von Deportierten mit schrecklicher Perspektive. Schritt für Schritt erleben wir die Evolution des Barackenbaus, derart detailliert, dass Redundanzen unvermeidlich sind; so werden technologische Verfeinerungen im Bausystem im immer gleichen Bauprinzip zum Suchen-und-Entdecken-Spiel.
Das sehr dicht und zugleich gut handhabbar gebaute Layout verweist über kleine Icons auf dem Rand immer wieder auf das Ende der Publikation, das neben einem umfassenden Sach- und Namensregister eine Sammlung von Bauaufmaßen/Isometrien präsentiert, die die meist längst verlorenen Bauten in Volumen wie Detail abbilden. Das macht die umfassende Forschungsarbeit zum Thema der Notbauten sehr anschaulich und zeigt Aktionen, wie die z. B. von IKEA („Better Shelter“), in neuem Licht. Be. K.