Mehr Kühnheit bitte, Herr Kühne!

Es ist Tradition, dass Menschen, die viel mehr Geld ihr Eigen nennen, als den meisten Reichen zur Verfügung steht, irgendwann einmal merken, dass sie das Geld nicht mitnehmen können ins Jenseits. Und weil sie beispielsweise Zeit ihres Lebens einen Teil ihres Geldes in Kunst investierten und diese Kunst aber zum großen Teil in hochgesicherten Kellern lagern muss – der Versicherung zuliebe – schenken sie diese Sammlung dann der Gemeinschaft, die für diese Kunst einmal Geld bezahlt hat. Ein Museum ist das meist, das in der Regel den Namen des Schenkenden zu tragen hat. In Deutschland tat das bereits Anfang des 19. Jahrhunderts Johann Friedrich Städel, in den USA 150 Jahre später Jean Paul Getty, dann die Guggenheims und zuletzt, wieder hier in Deutschland Reinhard Ernst. Diese und viele weitere Philantrophen haben sich mit ihren Schenkungen in der Stadt-, Kunst- und Kulturgeschichte verewigt, ein Überlebenskniff, der nicht jedem von uns zur Verfügung steht.

In Hamburg versucht nun aktuell der Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne die Rettung seiner Hamburger Kulturlandschaft. Nein, nicht die Rettung des Elbtowers, hier hat er abgesagt, es geht um die Hochkultur. Also eine Oper, die der Unternehmer und bekennende Opernfreund seiner Stadt schenken möchte. Überraschend: Der Opern-Neubau im HafenCity-Kontext muss nicht Kühne-Oper heißen. Aber: Bei der Endauswahl der noch einzureichenden Entwürfe – die Stadt spricht von fünf Büros, die eingeladen werden sollen – behält sich der Mäzen das abschließende Wort vor. Der auch schon den Entwurf eines „ausländischen Architekten“ vor Augen hat.

Wird es teurer als die versprochenen 330 Mio. €, soll die Kühne-Stiftung übernehmen. Für den Betrieb ist Hamburg zuständig. Ebenso für die Erschließung des prominenten wie zugleich extraurbanen Grundstücks am Baakenhöft, irgendwie zwischen Elbtower und Elbphilharmonie, ganz vorne in der Silhouette der HafenCity. 147 Mio. € für die Erschließung, natürlich nur geschätzt.

Dass Hamburg eine Oper hat, davon will der SPD-geführte Senat nichts wissen. Die Oper erscheint eh zu alt im Vergleich zu dem, was dem Mäzen vor Augen schwebt: ein exzellentes Opernhaus auf modernstem Niveau und im neuestem Stand der Technik. Weil dann der Mozart besser wird, der Verdi, der Rossini, Offenbach und natürlich Wagner! Jemanden vergessen? Vielleicht Peter Ruzicka, Moritz Eggert, Adriana Hölszky oder Wilhelm Killmayer?

Das ganze, irgendwie vernuschelte Verfahren, das schon seit 2019 in Hamburg kursiert, verneint das Öffentliche, das auch Geschenkentscheidungsprozessen inneruhen sollte. Und warum gibt der Mann sein Geld nicht für eine spektakulär einfache Sanierung des Hauses an der Dammtorstraße? Er könnte damit der Opern- und der Baukultur einen Dienst erweisen und das Kühne, das er im Namen trägt, in ganzer Größe zur Geltung bringen. Wir brauchen keine Leuchttürme im Leuchtturmhafen, wir brauchen Bildung im Musikalischen, Beteiligung und Pionierprojekte, die anderen Städten zeigen, dass neben der Rettung einer Kulturlandschaft auch deren Förderung möglich ist. Kühne-Musik-Stipendien für begabte Opern-Komponistinnen der Gegenwart zum Beispiel! Be. K.

www.staatsoper-hamburg.de, www.hamburg.de

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