Oper in Düsseldorf wird abgerissen
Ein Gestaltungswettbewerb Anfang 2023 brachte sieben Entwürfe für den Neubau der Oper in Düsseldorf. Unter den Entwerferbüros sind gmp, Snøhetta, HPP, Jörg Friedrich I Studio PFP und auch ingenhoven associates. Also Büros aus Hamburg (mit nach 2000 erweiterter Staatsoper) und Düsseldorf (mit jetzt zu kleiner Oper) mit je einem Landschaftsplanerinnenbüro an der Seite. Zu diesem Zeitpunkt war der Neubau der Oper noch keine vom Rat beschlossene Sache, was auch dazu führte, dass vier Entwürfe für den aktuellen Standort an der Heinrich-Heine-Allee vorgesehen sind, drei für den ebenfalls lange diskutierten Standort an der ehemaligen Galeria Kaufhof Filiale am Wehrhahn. Und warum nicht Tempo machen, wenn es angesichts explodierender Baupreise auf jeden Monat ankommt!
Der positive Ratsbeschluss kam dann tatsächlich vier Monate später: Die Deutsche Oper am Rhein, wie das Haus korrekt heißt, soll nun an der Heinrich-Heine-Allee neugebaut werden. Oberbürgermeister Stephan Keller hatte sich in jüngster Zeit immer wieder dahingehend geäußert, dass die alte Oper abgerissen und die neue Oper am gleichen Standort wieder aufgebaut werden soll. 700 Mio. Euro soll der Neubau kosten, diese Zahl ist allerdings schon zwei Jahre alt. Und wer sich im Land umschaut, wird wenigstens von 1 Mrd. Euro Kosten ausgehen können, bei gleichem Planungsumfang.
Dass es sich eine Stadt wieder einmal erlaubt, ein solides, aber wohl nicht gut gepflegtes Bestandsgebäude mit grandioser Geschichte abzureißen, macht Staunen angesichts dringlicherer Kulturprobleme. Die Selbstgefälligkeit einer „Hochkulturszene“, die von der Problematik Abriss-Neubau vs. Erhalt-Weiterbauen keinen Schimmer zu haben scheint, ist allerdings nicht nur in der Landeshauptstadt ein verbreitetes Phänomen. Dass sich an dem Wettbewerb renommierte Büros beteiligten, die sämtlich das Thema Nachhaltigkeit auf den Fahnen stehen haben, enttäuscht da mehr, hier sollte doch der bei den Fans vornehmlich klassischer Opern vermisste „Schimmer“ vorhanden sein!?
Das recht gut erhaltene Opernhaus nach einem Entwurf von Paul Bonatz und Julius Schulte-Frohlinde, der letzterer die „Ehre“ hatte, von Hitler auf die „Gottbegnadeten-Liste“ der wichtigsten Architekten gehoben worden zu sein, dieser Opernbau aus der Mitte der 1950er-Jahre hat etwas, das ihm in heutigen eventsüchtigen Zeiten eher hinderlich ist: Er hat etwas wunderbar Alltägliches. Und würden nicht die dezenten Balkone, das eher einem Kino würdige Entrée oder die Glashaube (Ergänzung) oben auf dem Dach auf etwas Besonderes hinweisen, könnte man glatt auf die Idee kommen, vor einem Mehrgeschosswohnungsbau zu stehen. Das, liebe Architektinnen, reicht heute definitiv nicht mehr aus, eure aktuellen Entwürfe zeigen es. Be. K.